Interview

Tai Chi und die Kunst – im Gespräch mit dem Maler Rolant de Beer

Rolant de Beer erzählt über seine Zeit im Tai Chi Training bei Ajahn Lao 


Rolant, du bist Maler und lebst und arbeitest als solcher in München. Wir haben uns vor vielen Jahren im Tai Chi Training bei Ajahn Lao kennengelernt. Wie lange hast du dort eigentlich trainiert und was hat dir an dem Training besonders gut gefallen?

Also ich brauche immer Bewegung. Als Jugendlicher habe ich in Holland Akrobatik trainiert, und als ich als junger Künstler nach Deutschland kam und die Schule von Meister Lao entdeckte, wollte ich eigentlich Kung Fu machen. Meister Lao hat mir dann aber das Tai Chi empfohlen. Er hat gleich erkannt, dass es für mich wichtiger ist zu lernen mich richtig und tief zu entspannen. Das Tai Chi Training habe ich geliebt. Ich praktizierte es in der Schule von Meister Lao ca. 6 Jahre lang und ging eher 3 mal die Woche als 2 Mal zum Training. Besonders gefallen hat mir dabei die Freude die Meister Lao immer ausstrahlte. Das liess dann diese ganz besondere Gruppendynamik entstehen, bei der jeder in seinem persönlichen Prozeß aufging. Ich erinnere mich, dass ich oft so Energie geladen nach Hause kam, dass ich nach dem Abendtraining gar nicht schlafen konnte. Für mich wäre es wohl besser gewesen ich hätte morgens trainiert. 


Siehst du als Maler und Künstler parallelen zu der „Kampfkunst“ Tai Chi?


Nun in der Kunst geht es für mich immer um einen Prozeß. Ein Schwingen der Seele. Dieses Glück, dass ich beim Malen empfinde, konnte ich damals auch im Prozeß des Tai Chi übens empfinden. Viele Menschen denken über Künstler ganz allgemein, sie würden meistens die Seele baumeln lassen. Das ist aber nicht der Fall. Es ist eher so, dass wir als Künstler bemüht sind unsere Seele lebendig zu halten und in Schwingung zu versetzen. Wenn ich an meine Mal-Workshops denke, die ich von Zeit zu Zeit halte, dann denke ich immer an diese wunderbaren Momente wo alle, auch die Kinder, völlig in ihr Projekt versunken sind, und man nur noch die Geräusche der Pinsel im Raum hört. So ähnlich ist das ja auch, wenn eine Gruppe Tai Chi übt. Sobald die Menschen mit der Tätigkeit die sie gerade ausüben Eins werden entsteht diese Stille des Glücks, die wie kleine geladene Teilchen den Raum beleben und zu etwas besonderem erheben.


Das stimmt, diese Momente kennt glaube ich jeder der schon mal künstlerisch Tätig war oder mit uns trainiert hat.

Es ist oft gar nicht so leicht, die Menschen in Kontakt mit der Gegenwart und ihre Seele zum Schwingen zu bringen. Wie machst du das in deinen Kursen?


Eigentlich habe ich dafür keinen speziellen Trick. Meine Vorgehensweise ist ganz einfach. Ich stelle mich kurz vor, gebe den Schülern eine Aufgabe und lasse sie dann einfach loslegen. Das funktioniert meistens viel besser, als erst eine Stunde über die richtige Technik zu reden. Die Schüler legen einfach drauf los, und ich helfe nur dort wo nötig in den Prozeß zu finden. Es ist viel authentischer wenn die Menschen in Berührung mit sich selbst kommen, und aus sich selbst schöpfen. Ich bin dabei ganz präsent. So finden die Menschen bei mir zu ihrem authentischen Stil, der aus ihnen herausfliessen darf.


Gerade in dieser einfachen Herangehensweise liegt sicherlich dein Erfolg darin. Das spürt man auch wenn man deine Bilder betrachtet. 

Oft ist das „Schwingen der Seele“ in unserer modernen, hektischen Gesellschaft erstickt durch Sorgen und Ängste. Am 30. April ist Ajahn Lao bei uns in der Kampfkunstschule Germering zu Gast um in seinem Seminar „Meditation & Selbstverteidigung“ gerade diese Zusammenhänge bewusst zu machen. 

 
Ja, ich denke, dass ist eine wichtige Aufgabe für uns als Künstler. Viele Menschen in der Gesellschaft  ersticken ihre Lebensfreude unter zu vielen Verpflichtungen, Sorgen etc. Sie kommen oft mit der Einstellung „gib mir etwas“ oder „unterhalte mich“ und merken dann „oh, es ist alles in mir drin, wenn ich mich nur öffne“. Das ist dann sicher der wertvollste Schatz den ein Mensch entdecken kann.


Du bist als Maler und Künstler mehr und mehr gefragt. Deine Bilder haben eine ganz eigene Handschrift und verkaufen sich in ganz Europa. Wann ist deine nächste Vernissage in Deutschland?


Auf meiner Webseite kann man einige meiner Bilder sehen, und auch Veranstaltungshinweise erhalten. Oder auch auf Facebook, wo ich rege aktiv bin, auch wenn ich jetzt mich für einige Zeit nach Griechenland zurückziehe.


Vielen Dank für das Interview Rolant, und weiterhin viel Erfolg mit deiner Kunst!

 
Das gleiche wünsche ich dir, Didier.